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Querulantin . Eine Hommage an
Elsa Asenijew

Alex Tennigkeit, Agnes Lammert, Anija Seedler, Carina Linge, Claudia Loclair, Corinne von Lebusa, Franziska Güttler, Kathrin Landa, Kathrin Thiele, Nina K. Jurk, Sabine Graf, Tanja Selzer, Tobia König


Vernissage: 04. 07. 2020, 19 Uhr



Exhibition: 05.07.. - 16. 08. 2020

Mi - Sa: 13 - 18 Uhr

 

Konzipiert von Claudia Loclair und Lu Potemka kuratiert von Lu Potemka

Nach der großen Ausstellung im Museum der Bildenden Künste 2019 ist das MalerInnen-Netzwerk Berlin/Leipzig + Gäste zum ersten Mal wieder in Leipzig zu sehen; erstmals mit einer inhaltlich politischen Ausstellung, die an zwei Orten, dem Kunstkraftwerk und der Galerie Potemka stattfinden wird: Im Gedenken an Elsa Asenijeff, deren Leben viele Fragen aufwirft, wird ein Bogen gespannt zur Situation der Frauen und Künstlerinnen in der Gegenwart..

Aktuell wird Klingers hundertjähriges Jubiläum mit einer großen Werkschau im MdbK in Leipzig zelebriert. Elsa Asenijeff, vor allem bekannt als Lebensabschnittsgefährtin und Muse Klingers, ist viel weniger bekannt als er. Dabei war sie zu Lebzeiten eine gefeierte Schriftstellerin. Auch rezensierte sie Skulpturen Klingers - wie den Beethoven - in Katalogen und war mit ihm auch auf intellektueller Ebene verbunden. Elsa war es wichtig, mit einem prominenten Mann der intellektuellen, künstlerischen Welt liiert zu sein; weniger wichtig war ihr die Bindung zu ihren eigenen Kindern. Sie gab ihren Sohn an ihre Mutter, die (mit Klinger gemeinsame) Tochter an eine französische Pflegemutter ab. Diese aus heutiger Sicht befremdlich anmutende Wahl, war teilweise an die Gepflogenheiten der Zeit, an die persönlichen Umstände und durchaus auch an ihre schriftstellerischen Ambitionen gekoppelt.

1916 wurde Elsa von Klinger ausgetauscht durch die blutjunge Gertrud Bock. Elsas Liebe zerbrach und auch ihre finanzielle Abhängigkeit von Klinger wurde spürbar. Er hatte ihr Leben finanziert und nun zog sie aus ihrer Wohnung im Leipziger Musikerviertel in die Obdachlosigkeit und verarmte. An Klingers Seite wurde sie als femme fatale, als extravagante Muse und Dichterin gefeiert: nun blieb ihr Werk unbeachtet und sie wurde als "Querulantin" diffamiert und als "Verrückte"; entmündigt. Ihr Ruf als Schriftstellerin wurde nachhaltig zerstört. Vor dem Rathaus Leipzigs wurde sie abgefangen und in die psychische Heilanstalt nach Leipzig-Dösen deportiert. Im Jahr 1933 kam sie schliesslich in die "Korrektionsanstalt für asoziale und arbeitsunwillige Erwachsene" in Bräunsdorf bei Freiberg. Die letzte Station ihres Lebens. Mit ihrem Ableben 1941 geriet ihr Werk in Vergessenheit. Bis heute ist sie nicht rehabilitiert. In Leipzig, in jener Stadt in der sie viele Jahre an der Seite Max Klingers wirkte, wird sie vielfach lediglich als Muse des Malers aufgeführt. Ihr Schicksal ist vergleichbar mit dem Camille Claudels und Hilda af Klints.

Die Ausstellung versucht nicht die Perspektive Asenjieffs einzunehmen, sondern darauf aufmerksam zu machen, dass etliche ihrer Lebenspunkte nicht in der Vergangenheit enden, sondern ihre Schatten bis in die heutige Zeit werfen. Allein dass die in der NS-Zeit verfolgten "Asozialen", die mitunter in KZs verendeten, erst im Februar 2020 als Opfergruppe anerkannt wurden, belegt die Dimension der Aktualität dieser Zeitbezüge.

Auch was den Blick auf die Frau angeht, existieren unveränderte Muster: Noch immer werden Frauen, die hart verhandeln, zwar nicht mehr als "Querulantin";, dafür aber als "hysterisch" und "aggressiv" abgestempelt und somit sind Eigenschaften, die bei Mal*nnern als Kampfgeist und Durchsetzungsvermögen gelten, bei Frauen noch immer negativ konnotiert. Ein anderes Beispiel ist, dass die Mutter, die ihre Kinder verlassen hat, per se als eine Rabenmutter betrachtet wird. Ein Vater ist hingegen in dem Fall kein Rabenvater. Seine Absenz wird in der Gesellschaft viel eher hingenommen und sogar geduldet.

Nicht zuletzt sei darauf verwiesen, dass sich Elsa trotz ihres Eifers, ihrer Umtriebigkeit und all ihrer Veröffentlichungen als Künstlerin ökonomisch nicht über Wasser halten konnte und ihr Werk nach der Trennung von Klinger kaum noch Beachtung fand. Auch hier gibt es ein Dejavu in Anbetracht der fehlenden Anerkennung, bzw. Nicht-Anerkennung weiblicher Künstler, die bereits den Druck als gegeben betrachten, mehr leisten zu müssen, besser sein zu müssen als ihre männlichen Kollegen, um einen Bruchteil der visuellen Sichtbarkeit ihrer Werke, bzw. ihrer Existenz in öffentlichen Museen und Sammlungen zu erhalten.

Ausstellungsorte:

Galerie Potemka Aurelienstrasse 41

04177 Leipzig

Oeffnungszeiten: Mi-Sa 13-18 h

www.potemka.de

Kunstkraftwerk Leipzig

Saalfelderstrasse 8 04179 Leipzig

www.kunstkraftwerk-leipzig.de

Oeffnungszeiten: Fr. – So. 10h – 18h

Letzter Einlass: 17.25h

Projektträger:

Malerinnen Netzwerk Berlin-Leipzig

www.malerinnennetzwerk.com

info@malerinnennetzwerk.com

Leipzig Art Trail gUG

www.leipzigarttrail.com . kontakt@leipzigarttrail.com

 


 

 

Potemka Contemporary Art . Aurelienstraße 41 . 04177 Leipzig . Tel.: 0172 - 346 06 57 . post@potemka.de . open: Mi. bis Sa.: 13 - 16 und 16.30 - 18 Uhr and by appointment